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Müdigkeit ohne Ende: Wenn die Energie im Alltag fehlt

  • Autorenbild: Apotheken Check
    Apotheken Check
  • 18. Okt. 2025
  • 5 Min. Lesezeit

Anhaltende Erschöpfung gehört zu den häufigsten Beschwerden in der hausärztlichen Praxis. Die Ursachen reichen von Lebensstilfaktoren über Nährstoffmängel bis hin zu ernsthaften Erkrankungen. Ein differenzierter Blick hilft, die eigene Situation einzuordnen und den richtigen Umgang zu finden.



Fatigue vs. normale Müdigkeit

Müdigkeit nach einem langen Tag oder einer kurzen Nacht ist physiologisch normal und verschwindet nach ausreichend Erholung. Anders verhält es sich mit der sogenannten Fatigue – einer tiefgreifenden Erschöpfung, die durch Schlaf nicht behoben wird und die Bewältigung des Alltags erheblich beeinträchtigt. Diese Form der Müdigkeit ist nicht proportional zur vorangegangenen Belastung und wird von Betroffenen oft als bleiern oder lähmend beschrieben. Schon einfache Tätigkeiten wie Duschen oder Einkaufen können zur Herausforderung werden.


Die Abgrenzung ist klinisch relevant, da Fatigue auf unterschiedliche Ursachen hinweisen kann. Sie tritt als Symptom bei zahlreichen Erkrankungen auf – von Anämie und Schilddrüsenfunktionsstörungen über chronische Infektionen bis hin zu Autoimmunerkrankungen und psychischen Störungen. Eine gründliche Diagnostik ist daher bei anhaltender, unerklärlicher Erschöpfung unerlässlich. Die Herausforderung besteht darin, dass Müdigkeit ein unspezifisches Symptom ist, das bei sehr vielen verschiedenen Zuständen auftreten kann.


Besondere Aufmerksamkeit verdient das Chronic Fatigue Syndrome (CFS), auch myalgische Enzephalomyelitis genannt. Diese Erkrankung geht weit über normale Erschöpfung hinaus und ist durch eine charakteristische Verschlechterung nach körperlicher oder geistiger Anstrengung gekennzeichnet. Betroffene können nach vermeintlich harmlosen Aktivitäten tagelang ans Bett gefesselt sein. Die Ursachen von CFS sind noch nicht vollständig verstanden, und die Behandlungsmöglichkeiten sind begrenzt – ein Thema, das zunehmend Aufmerksamkeit in der medizinischen Forschung erhält.


Häufige Ursachen im Überblick

Eisenmangel ist eine der häufigsten, aber oft übersehenen Ursachen für chronische Müdigkeit, insbesondere bei Frauen im gebärfähigen Alter. Eisen ist essenziell für den Sauerstofftransport im Blut, und bereits ein Mangel ohne manifeste Anämie kann Symptome verursachen. Der sogenannte latente Eisenmangel, bei dem die Speicher erschöpft sind, aber der Hämoglobinwert noch normal ist, wird häufig nicht erkannt. Ein einfacher Bluttest, der neben dem Hämoglobin auch das Ferritin (Speichereisen) erfasst, kann hier Klarheit schaffen.


Die Schilddrüse als Stoffwechselzentrale des Körpers spielt ebenfalls eine Schlüsselrolle. Eine Unterfunktion (Hypothyreose) führt zu verlangsamtem Stoffwechsel und damit häufig zu Müdigkeit, Antriebslosigkeit und Kälteempfindlichkeit. Da die Symptome schleichend auftreten, wird der Zusammenhang oft erst spät erkannt. Die Schilddrüsenwerte sollten bei unklarer Müdigkeit routinemäßig überprüft werden, zumal eine Unterfunktion gut behandelbar ist. Auch eine Überfunktion kann paradoxerweise zu Erschöpfung führen, da der Körper ständig auf Hochtouren läuft und irgendwann seine Reserven aufbraucht.


Nicht zu unterschätzen sind psychische Faktoren: Depressionen manifestieren sich häufig primär durch körperliche Symptome wie Erschöpfung und Antriebslosigkeit. Betroffene suchen oft zunächst nach körperlichen Ursachen und sind überrascht, wenn die Diagnostik keine klaren Befunde ergibt. Chronischer Stress und Burnout können ebenfalls zu tiefgreifender Erschöpfung führen, die weit über normale Müdigkeit hinausgeht. Die Erschöpfung ist hier oft von einem Gefühl der Sinnlosigkeit und emotionalen Taubheit begleitet.


Der Einfluss von Ernährung und Mikronährstoffen

Die zelluläre Energieproduktion ist ein komplexer Prozess, der auf verschiedene Mikronährstoffe angewiesen ist. B-Vitamine sind als Koenzyme direkt am Energiestoffwechsel beteiligt. Insbesondere Vitamin B12 verdient Aufmerksamkeit, da ein Mangel häufiger vorkommt als angenommen – betroffen sind nicht nur Veganer, sondern auch ältere Menschen mit verminderter Magensäureproduktion und Personen, die bestimmte Medikamente einnehmen. Die Symptome eines B12-Mangels entwickeln sich schleichend und können neben Müdigkeit auch neurologische Beschwerden umfassen.


Vitamin D, das streng genommen ein Hormon ist, beeinflusst zahlreiche Körperfunktionen, und ein Mangel wird mit Müdigkeit und Leistungsminderung assoziiert – ein Problem, das in mitteleuropäischen Breitengraden weit verbreitet ist. In den Wintermonaten kann die körpereigene Produktion über die Haut praktisch zum Erliegen kommen, da der Einfallswinkel der Sonne zu flach ist. Die Speicher aus dem Sommer sind bei vielen Menschen bereits im Herbst erschöpft.


Magnesium ist an über 300 enzymatischen Reaktionen im Körper beteiligt und spielt eine zentrale Rolle bei der Energieproduktion. Ein subklinischer Mangel kann lange unbemerkt bleiben, da die Blutwerte nicht immer den tatsächlichen Versorgungsstatus widerspiegeln – nur etwa ein Prozent des Körpermagnesiums befindet sich im Blut. Symptome wie Müdigkeit, Muskelkrämpfe und Nervosität können auf einen Mangel hinweisen. Auch Coenzym Q10, das in den Mitochondrien – den Kraftwerken der Zellen – für die Energiegewinnung benötigt wird, rückt zunehmend in den Fokus der Forschung.


Die Rolle des Blutzuckers

Ein Aspekt, der bei Müdigkeit oft übersehen wird, ist die Blutzuckerregulation. Starke Schwankungen des Blutzuckerspiegels können zu Energietiefs führen, auch ohne dass ein Diabetes vorliegt. Nach einer kohlenhydratreichen Mahlzeit steigt der Blutzucker rasch an, woraufhin der Körper mit einer kräftigen Insulinausschüttung reagiert. Das Ergebnis kann ein Absinken des Blutzuckers unter das Ausgangsniveau sein – das bekannte Mittagstief nach dem Kantinenessen.


Eine Ernährung, die auf komplexe Kohlenhydrate, ausreichend Protein und gesunde Fette setzt, kann diese Schwankungen abmildern und für stabilere Energielevel sorgen. Auch die Verteilung der Nahrungsaufnahme über den Tag spielt eine Rolle: Kleinere, regelmäßige Mahlzeiten belasten den Stoffwechsel weniger als wenige große. Wer unter unerklärlicher Müdigkeit leidet, sollte sein Essverhalten einmal kritisch unter die Lupe nehmen.


Lebensstilfaktoren systematisch betrachten

Bevor aufwendige Diagnostik eingeleitet wird, lohnt sich eine ehrliche Bestandsaufnahme der eigenen Lebensgewohnheiten. Schlafquantität und -qualität stehen dabei an erster Stelle. Viele Menschen unterschätzen, wie viel Schlaf sie tatsächlich benötigen – individuelle Unterschiede sind groß, aber die wenigsten Erwachsenen kommen langfristig mit weniger als sieben Stunden aus. Auch die Schlafqualität ist entscheidend: Wer zwar lange im Bett liegt, aber schlecht schläft, wacht nicht erholt auf.


Bewegungsmangel führt paradoxerweise zu mehr Müdigkeit: Regelmäßige körperliche Aktivität verbessert die mitochondriale Funktion und damit die zelluläre Energieproduktion. Der Kreislauf wird trainiert, die Sauerstoffversorgung verbessert sich, und der Körper wird insgesamt leistungsfähiger. Der Einstieg kann schwerfallen, wenn man bereits erschöpft ist, doch schon moderate Aktivität zeigt oft überraschend schnelle Effekte. Wichtig ist, sich nicht zu überfordern und langsam zu steigern.


Auch die Flüssigkeitszufuhr wird häufig vernachlässigt – bereits leichte Dehydratation kann kognitive Leistungsfähigkeit und Wachheit beeinträchtigen. Der Körper benötigt Wasser für nahezu alle Stoffwechselprozesse, und schon ein Flüssigkeitsdefizit von zwei Prozent kann sich bemerkbar machen. Viele Menschen trinken gewohnheitsmäßig zu wenig und haben ihr Durstempfinden über die Jahre abtrainiert. Ein bewusstes Achten auf die Trinkmenge kann daher einen einfachen, aber wirkungsvollen Ansatzpunkt darstellen.


Psychosoziale Faktoren

Nicht zuletzt spielen psychosoziale Faktoren eine wichtige Rolle: Sinnerleben, soziale Einbindung und die Balance zwischen Anforderungen und Ressourcen beeinflussen das subjektive Energielevel erheblich. Chronische Überforderung oder das Fehlen von Erholungsphasen erschöpfen langfristig auch bei optimaler körperlicher Versorgung. Der Mensch ist keine Maschine, die bei ausreichend Treibstoff unbegrenzt funktioniert – er braucht auch psychische Nahrung in Form von Beziehungen, Sinn und Freude.


Auch Unterforderung kann müde machen: Wer in einem Job feststeckt, der weder fordert noch erfüllt, kennt die bleierne Müdigkeit des Bore-outs. Die Energie fehlt nicht, weil sie verbraucht wurde, sondern weil sie keinen Kanal findet. In solchen Fällen hilft keine Erholung, sondern ein Mehr an sinnvoller Aktivität und Engagement.


Fazit

Anhaltende Müdigkeit ist ein Signal des Körpers, das ernst genommen werden sollte. Die Ursachen sind vielfältig und erfordern eine systematische Herangehensweise. Eine Basisdiagnostik beim Hausarzt kann organische Ursachen ausschließen oder aufdecken. Parallel dazu lohnt sich eine ehrliche Bestandsaufnahme der eigenen Lebensgewohnheiten. Oft liegt die Lösung in einer Kombination aus mehreren Faktoren – etwas mehr Schlaf, bessere Ernährung, mehr Bewegung und weniger Stress. Wenn die Müdigkeit trotz Optimierung dieser Bereiche anhält, ist eine weiterführende Diagnostik angezeigt.

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